Sieben Tage im Leben einer toten Giraffe – Tag 7

Sieben Tage im Leben einer toten Giraffe

Siebter Tag


Tatsächlich war Ngala in der Nacht noch einmal zu seiner Giraffe zurückgekehrt, aber Mittlerweile hatten aber die Geier hier das Sagen übernommen.

Sie saßen zu Unzähligen auf und neben der Giraffe.

Auch unter den Bäumen saßen noch Dutzend Mal so viele, oder mehr, von ihnen, ruhten sich aus, oder warteten auf ihre Zeit.

Unter Geiern gibt es eine Rangordnung, oder auch nicht, klar ist das nicht zu erkennen.

Ngala liegt etwas weiter von der Giraffe entfernt im Schatten eines Baumes und schaut sich das Treiben der Geier eine Zeitlang an.

Dann steht er auf, dreht sich rum und geht in Richtung Sonnenuntergang.

Erst läuft er die Straße entlang, später wechselt er ins Flussbett …

… um schließlich in den Dünen, auf der gegenüberliegenden Seite, zu verschwinden.

Die Geier haben von Ngala keine Notiz genommen oder ihn schlichtweg ignoriert.

Sie streiten und fressen wehrendessen immer weiter um das Fleisch der Giraffe. Dank ihrer starken Schnäbel und ihren langen, federlosen Hälse, kommen sie auch durch die Bauchöffnung der toten Giraffe an das Fleisch im Inneren heran.

Mittlerweile kann man durch die beiden Körperöffnungen, die Ngala so mühevoll aufgebrohen hatte, durch die Giraffe hindurchschauen.

Die Giraffe sieht mittlerweile, im wahrsten Sinne des Wortes, beschissen aus.

Ständig sitzen Geier auf ihr und eine Toilette gib es nicht. Also lassen sie ihrer Verdauung freien Lauf, da wo sie gerade stehen.

In ein paar Tagen werden nur noch die Haut und die Knochen zurück bleiben.

Diese werden nun über viele Jahre hier liegen. Vielleicht werden sie noch durch Hyänen oder die Naturgewalten etwas verteilt.

Über sehr viele Jahre lang, werden sie jedem, der hier vorbei kommt, die Geschichte von Ngala und seiner Giraffe erzählen können.

Aber nur denjenigen, die hier anhalten und zuhören, wird diese Geschichte erzählt werden.


Nachtrag

Wie unsere Giraffenbulle gestorben ist, werden wir wohl nie erfahren.

Eine forensische Untersuchung ist in diesem Fall nicht möglich, das CSI Team hatte keine Zeit.

Falls es Zeugen gegeben hatte, werden die nicht auspacken und nichts erzählen.

Eine Möglichkeit gibt es noch, vielleicht ist die Giraffe von einem Blitz getroffen worden.

Ja, auch so etwas gibt es, Wildtiere werden manches Mal vom Blitz erschlagen. Allerdings sollen in solchen Fällen die Fleischfresser dann das Fleisch meiden und nicht fressen. Warum das so ist, konnte mir keiner erklären.

Aber das keine weiteren Löwen oder gar Hyänen zu der Giraffe gekommen sind, ist schon ungewöhnlich.

Das Geschehen hat sich so in den Tagen entwickelt, auch meine Bilder sind alle von dort.

Die Geschichte über Ngala und seine Giraffe ist mir erst später eingefallen, sonst hätte ich die Bilder doch etwas anders gestaltet und noch andere Dinge fotografiert.

Ngala ist im übrigens Shangaan, eine von den 11 offiziellen Sprachen in Süd Afrika, und bedeutet Löwe.