Sieben Tage im Leben einer toten Giraffe – Tag 4

Sieben Tage im Leben einer toten Giraffe

Vierter Tag


Immer noch kämpft Ngala mit der Giraffe um ihr Fleisch.

Aber ohne die Hilfe eines zweiten Löwen, mit dem er zusammen an ihr zerren und die Haut zerreißen könnte, kommt er nicht an das gute Fleisch.

Zum unzähligen Male zieht er sich wieder, hungrig und erschöpft, in sein schattiges Plätzen zurück.

Kaum liegt er im Schatten der Büsche um sich von dem kräftezehrenden Ringen zu erholen, da kommen auch schon wieder die kleinen Plagegeister und begehen Mundraub an seiner Giraffe.

Wieder einmal bleibt Ngala nichts anderes übrig, als seinen kühlen, schattigen Platz zu verlassen und seine Wache direkt bei seiner Giraffe zu beziehen.

Den spärlichen Schatten des Körpers ausnutzend, legte er sich, entgegengesetzt zu der Sonne, an den Bauch der Giraffe.

Aber irgendetwas war anders an diesem Morgen, irgendetwas erweckte das Interesse von Ngala, an Dösen war nicht zu denken.

Aufmerksam beobachtete er ständig die Gegend in Richtung Mata Mata.

Was war dort?

Kommen nun doch endlich andere Löwen, oder kommen die Hyänen?

Vier oder fünf Hyänen nehmen es leicht mit einem einzelnen Löwen auf und vertreiben ihn meistens von seiner Beute.

Was kommt von dort, was ist da?

Plötzlich und völlig unerwartet spring Ngala auf und jagt auf eine kleine Gruppe Springböcke zu, die friedlich in der Nähe grasten.

Aber Ngala war zu weit entfernt, zu langsam und die Springböcke zu schnell.

Nach einem kurzen Sprint gibt er die erfolglose Jagt auf und legt sich dort in den Schatten eines Baumes um auszuruhen.

Hatte er seine Giraffen Diät satt? Oder ist er mittlerweile so gefrustet, das er alles jagt, was in seine Nähe kommt?

Da Ngala nun weiter von der Giraffe entfernt ist, nutzen die Schakale die Gelegenheit und machen sich über die Giraffe her.

So geht das aber nicht meine Herren, Ngala hat immer ein Auge auf seine Giraffe.

Entsprechend erzürnt und mit voller Wucht kommt er wieder zu seiner Beute zurück, um ein weiteres Mal dieses Gesindel zu vertreiben.

Was vor kurzem noch eine so schöne, elegante Giraffe war, verändert sich nun langsam in ein trauriges Bild.

Der offene Bauch mit den mittlerweile braunen Überresten ihrer letzten Mahlzeit. Der offene After, aus dem auch einiges raus hängt. Ein Teil der Nase und ein Ohr fehlen, langsam sieht die Giraffe etwas unappetitlich aus.

Die Schakale fressen dauernd von dem Kopf, hier sollte ich es auch einmal versuchen, sagt sich Ngala und mach sich wieder mit seiner ganzen Kraft ans Werk, endlich etwas von dem kostbaren und köstlichen Fleisch zu bekommen.

Für die kleinen Schakale reichen die winzigen Stückchen Fleisch, aber für einen ausgewachsenen Löwen ist es nicht genug.

So sehr Ngala sich auch anstrengt, zieht und reißt, er kommt nicht an das Gute, viele Fleisch.

Kraft und etwas mutlos sieht er sich seine Giraffe noch einmal von allen Seiten aus an.

Eine Vorratskammer ohne Tür, eine Schlachterei die geschlossen hat, eine Dose ohne Öffner und solchen Hunger.

Ihm bleibt nichts anderes übrig, als sich wieder in den Schatten zu legen, seine Beute bewachen und auf ein Wunder zu warten.

Am Abend noch immer dasselbe Bild.

Ngala nutzt den Schatten, den der Körper der Giraffe bei der untergehenden Sonne wirft, um sich vor der Hitze etwas zu schützen und erspart sich dadurch das lästige hin und her laufen.

So kann er mehr ausruhen und Kraft sparen.