Sieben Tage im Leben einer toten Giraffe – Tag 2

Sieben Tage im Leben einer toten Giraffe

Zweiter Tag


Immer noch liegt Ngala bei seiner Giraffe. Er hat wohl die ganze Nacht direkt neben ihr gelegen und seine Totenwache abgehalten.

Gefressen hat er nicht richtig, dünn sieht Ngala aus, dafür bläht sich die Giraffe mehr und mehr auf.

Die Sonne und die Hitze beschleunigen den Faulungsprozess im Inneren, was man mittlerweile auch von weitem gut riechen kann.

Zum Glück steht hier an der Straße der Wind so günstig, das man es kaum bemerkt.

Die Giraffe ist immer noch unversehrt, auch sind keine anderen Löwen dazu gekommen, die Ngala beim Festschmaus und beim Aufbrechen der Giraffe helfen könnten.

Irgendwann weckt ihn die Morgensonne, die Wärme, oder doch der Hunger und er verlässt seinen Platz von der Nachtwache.

Durst und Hunger quälen ihn und so unternimmt er wieder einen Versuch, die Giraffe endlich aufzubrechen.

Mit all seine Kraft und Gewalt versucht er den Bauch der Giraffe zu öffnen und kämpft mit allen Tricks, die so ein alter Löwe seit ewigen Zeiten beherrscht.

Nach einiger Zeit gibt er entkräftet und ohne Erfolg auch dieses Mal wieder auf und zieht sich, sichtlich enttäuscht, auf sein schattiges Überwachungsplatz zurück.

Immerhin, etwas Blut ist in seinem Fell, somit hat er zumindest trinken können, was seinen Durst stillt und das Blut gibt ihm auch viele Nährstoffe, die den Hunger etwas mindern.

Am Abend wieder das gleiche Bild. Senkt sich die Sonne und wird es etwas kühler, so versucht Ngala den Kampf gegen die dicke Giraffenhaut zu gewinnen.

Dornen stecken mittlerweile in seine Mähne und in seinem Fell und er wirkt immer dünner. Da, direkt vor seinen Pfoten, liegt dieser riesige und köstliche Fleischberg und er kann die Verpackung nicht öffnen.

Wieviel Frust kann ein Löwe ertragen und wieviel Ausdauer und Kraft besitzt er?

Vielleicht passiert ja etwas in dieser Nacht, Hyänen oder andere Löwen.