Sieben Tage im Leben einer toten Giraffe

Sieben Tage im Leben einer toten Giraffe

Erster Tag


Da liegt sie nun, oder besser gesagt er, ein alter Giraffenbulle.

Gestorben muss er am 29.01 sein, denn am 30.01 hörte ich bereits in der Rezeption von Mata Mata von ihm.

Lang ausgestreckt, die Beine zeigen nach Mata Mata in Richtung Sonnenuntergang, der lange Hals in einer leichten Kurve und der Kopf liegen in Richtung Sonnenaufgang.

Sie liegt dort so, als würde sie stehen.

Ein altes Löwenmännchen liegt im Schatten der Büsche, direkt an der Straße, und bewacht seine Beute argwöhnisch.

Er ist Ngala, er ist der König der Tiere.

Kommt jemand seiner Giraffe zu nahe, dann steht er schon einmal auf und verscheucht das Gesindel.

Es ist seine Giraffe, nichts und niemand stielt etwas von seiner Giraffe.

Aber gerade die kleinen, vorwitzigen Schakale schleichen sich immer wieder an die Giraffe ran, um ein kleines Stück zu stehlen.

Hat er erfolgreich alles um seine Giraffe herum vertrieben, kommt er erschöpft wieder zu seinem schattigen Plätzchen zurück und legt sich wieder schlafen.

Ein richtiger Schlaf ist es nicht, mehr ein tiefes Dösen, denn bei dem kleinsten Verdacht auf Mundraub ist er sofort wieder wach, setzt ich auf und hat die Situation fest in Griff.

Mehr passiert nicht, dösen, aufpassen, verscheuchen und wieder dösen.

Kein großes Fressen. Keine blutige Schlacht um das kostbare Fleisch und schlemmen, bis der Arzt kommt.

Einfach im Schatten liegen und den Fleischberg bewachen.

Es ist wohl zu heiß um zu fressen und weglaufen tun hier nur noch die Schakale.

Verletzungen sind an der Giraffe keine zu sehen. Auch ist es unwahrscheinlich, dass ein einzelner Löwe ein solch großes Tier reißt.

Vielleicht ist sie gestürzt, als der Löwe sie jagte. Vielleicht ist sie einfach so gestorben, weil sie alt war, oder sie war krank.

Oder war sie bei einem Kampf mit einem anderen Giraffenbullen gestorben? So etwas kann passieren, wenn sie ihren Hälsen und Köpfen beim Kämpfen gegeneinander schlagen.

Morgen wird Ngala sicherlich fressen.