Namibia – Desert Elephants – 27.12.2017

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Namibia

** Hoanib River **

27 Dezember 2017

Frohe Weihnachten aus dem heißen und windigen Kaokeveld.
Der Wind bläst hier immer ab Mittag aus Richtung Westen, also vom Atlantik. Ein trockener, heißer, heftiger Wind, oft mit viel Sand im Gepäck. Wie war das bei uns mit Feinstaub?
Wenn die Sonne untergeht, legt sich der Wind langsam wieder, die Temperaturen sinken auch im Sommer stark ab, so dass man sich schnell, nach dem heißen Tag, etwas überzieht.
Zu dieser Jahreszeit wird es in der Nacht nicht ganz so kalt, für deutsche Verhältnisse immer noch laue Sommerabende.
Von Windhoek bin ich über Uis und Palmwag in den Hoanib River gefahren.
Die Trockenflüsse werden hier oft als „Straßen“ genutzt, oder aus Spaß am 4×4 Off Road fahren.

Es war Nachmittag als ich in meinem ersten Camp, den „Elephant Song Camp“, angekommen bin. Der Wind fegte ständig und heftig durch das Riverbett und über die Anhöhe durch das Camp, aber die Aussicht war sehr gut.

Das Camp war nicht mehr so richtig gemanagt, aber das habe ich mir schon gedacht, denn richtige Auskünfte zu dem Camp konnte ich keine bekommen.

Wie eine kleine, alte, verlassene Westernstadt, die man aus den entsprechenden Filmen kennt. Alte, verlassene Hütten, von der Sonne gebleichtes Holz, klappern und quietschen der rostigen Blechverkleidungen.
Ich war alleine hier und konnte das Camp in aller Ruhe erkunden, um den besten Standplatz für die Nacht zu finden.
An zwei Hütten hatte jemand, vor nicht allzu langer Zeit, neues Wellblech und einen Windschutz angebracht. Anscheinend kommen hier regelmäßig Leute her, die das Camp zum Übernachten nutzen.

Meine Entscheidung fiel auf den windgeschützten Unterstand, ganz oben, mit einem schönen und weiten Ausblick auf das Riverbett.
In der Ferne konnte ich hin und wieder vereinzelt Tiere ausmachen, hauptsächlich Strauße. Zweimal erspähte ich ein oder zwei Autos, die sich auch ihren Weg in den River suchten.
Ich wartete auf die Cowboys, die aus der Ferne auftauchten und Ärger mit sich bringen würden, aber alles blieb ruhig und ich alleine. Eine fast perfekte Westernkulisse, nur die passende Musik von Ennio Morricone hatte ich nicht dabei.

Am Abend wurde meine Aussicht mit einem doppelten Regenbogen versüßt.
Aus diesem Grund sollte man nie im Riverbett übernachten.
Irgendwo, und wenn es hunderte von Kilometer entfernt ist, kann es einen heftigen Regenschauer geben und dann kommt die gefürchtete Springflut.
Wie aus dem Nichts rauscht eine Welle den River runter, mit Schlamm, Bäumen, Ästen und allen möglichen, was das Wasser, mit seiner unerwarteten Kraft, mit sich reißt.

Das, was ich im Hoanib River erhofft hatte zu finden, ist mir an meinem zweiten Tag tatsächlich über den Weg gelaufen, die Wüstenelefanten.
Die ganze Zeit hatte ich immer wieder frische Tracks gesehen, dann plötzlich standen sie vor mir, unter einem Baum, im Schatten.

Ein Herde von 11 Elefanten, mit drei Jungtieren und ein Bulle in Mast. Genau die Kombination, bei der man etwas vorsichtiger sein sollte, aber das hatte ich ja nun alles gelernt.
Elefantenkühe mit Jungtieren sind recht empfindlich und man sollte nicht zwischen ihnen und den Jungen geraten.
Elefantenbullen in Mast sind durch ihren hohen Hormonspiegel immer aggressiver und recht reizbar, manchmal auch unberechenbar.

Aber die ganze Herde, sowie der Bulle waren sehr entspannt und relaxt. Sie ruhten sich lange im Schatten der wenigen Bäume aus, fraßen etwas, die kleinen spielten miteinander und zogen anschließend sehr langsam und gemächlich den River weiter hinauf.
Ich blieb den ganzen Tag in ihrer Nähe und beobachte ihr Verhalten intensiver.

Im Gegensatz zu den Elefanten in Makalali, stoßen diese Elefanten hier keine Bäume um, um an den Wurzeln oder der Krone zu fressen. Sie zupfen vorsichtig an den Ästen, brechen hin und wieder einen ab und fressen die Blätter langsam und komplett ab.
Sie gehen sehr vorsichtig und Nachhaltig mit ihren spärlichen Ressourcen um. Ein umgeworfener Baum ist nur eine Mahlzeit, Äste und Blätter wachsen nach. Auch reißen sie das Gras nicht mit den Wurzeln aus dem Boden und schütteln anschließend die Erde ab, diese hier treten mit dem Fuß auf den Grassballen und reißen nur die Halme ab.
Gegend 16:30 Uhr machten sie sich auf den Weg zum Wasserloch. Ganz hier in der Nähe, wo der Mudorib und der Hoanib zusammentreffen, ist eine künstliche Wasserstelle, das wusste ich.

So langsam und gemächlich wie sie die ganze Zeit durch das Riverbett gezogen waren, so schnell und zielstrebig waren sie jetzt. Sie nahmen Abkürzungen, die ich nicht fahren konnte, es wurden keine Pausen eingelegt oder Zeit mit fressen verschwendet. Ich hatte das Gefühl, das Wasserloch würde um 17:00 Uhr schließen und sie müssten sich nun sehr beeilen.

Auch hier am Wasserloch war das Verhalten ein völlig anderes. Es wurde in Ruhe und ohne Hast getrunken, aber es wurde kaum mit dem Wasser gespielt. Keine Duschen, keine Schlammbäder oder Schwimmen im Wasser.
Nach einer halben Stunde entfernten sie sich etwas von dem Wasserloch und nahmen ausgiebige Sandbäder, so schützen sie ihre Haut etwas vor der Sonne.
Es wurde nun Zeit für mich, mir in der Umgebung, außerhalb des Rivers ein Nachtlager zu suchen, was sich als nicht so einfach erwies.
Wenn ich etwas entdeckte, konnte ich nicht dorthin fahren, oder es war auf einer Felsenkuppe und der Wind fegte alles weg.

Etwas später fand ich auf der anderen Seite des Rivers eine gute Stelle, hier sollte also mein zweites Nachtlager sein.
Mit dem Sonnenaufgang gegen 6:00 Uhr kochte ich mir meinen Kaffee, das muss auch hier im Nichts sein, packte meine Sachen ein und machte mich wieder auf den Weg, die Elefanten zu suchen.
Sie waren am Abend weiter den Hoanib entlang gezogen und nicht in den Mudorib River abgebogen. Also standen meine Chancen sehr gut, sie nach einiger Zeit wieder zu finden.
Natürlich wusste ich nicht wie weit sie in der Nacht noch gewandert, oder ob sie umkehren sind, aber die Spuren sahen recht frisch aus.
Nach einiger Zeit entdeckte ich den Bullen an der Seite des hier engen Riverbetts stehen und fressen. Die Herde konnte ich nicht sehen, hatte er sich in der Nacht von ihr getrennt?
Es dauerte eine ganze Zeit bis der Bulle weiter zog und der Fluss mir die Möglichkeit gab, an ihm vorbei zu fahren. Der Bulle nahm die rechte Seite an einer größeren Sandbank in der Mitte des Rivers, ich fuhr die linke Seite entlang und konnte ihn so gut überholen. Kurz, bevor die beiden kleinen Arme hinter der Sandbank wieder zusammenführten, stieß ich auf die Herde.
Durch die Herde zu fahren wollte ich nicht versuchen, also umdrehen und hinter den Bullen auf der anderen Seite entlangfahren. Der Bulle war verschwunden. Den Spuren nach zu urteilen war er auf der Sandbank im dichten Grün verschwunden, also weiter fahren und beide, den Bullen und die Herde überholen.
Ich hielt im Schatten eines großen Baumes in der Front zu der Herde und konnte sie so gut beobachten. Allerdings war bereits bei ihnen die Mittagspause angebrochen, sie standen im Schatten, die Kleinen spielten etwas, mache legten sich auf die Seite zum Schlafen, andere nahmen immer wieder eine Sanddusche.
Etwas später kam auch der Bulle wieder zu der Gruppe und ruhte sich bei ihnen aus. Gegen 15:00 Uhr setzten sie sich die ganze Herde wieder in Bewegung, weiter den River aufwärts ziehend.
Unterwegs wurde immer wieder gefressen, gerastet und sich mit Sand beworfen. Das der Wind nun immer mehr Sand durch den River trieb, schien sie nicht zu stören.
Die Zeit raste mir davon, ich musste mir ja noch wieder ein Abendlager suchen und bis zum nächsten Wasserloch war es noch recht weit entfernt.
So verabschiedete ich mich schweren Herzens von diesen traumhaften und so anmutigeren Riesen der Wüste und machte mich auf die erneute Suche nach einem Rastplatz.

Nach über einer Stunde Fahrt, man fährt hier im River nur Schritttempo, fand ich eine geeignete Stelle zum Übernachten.

Hier bereitete ich mein Weihnachtscamp vor, es ist ja der 24.12. Zu Hause gibt es traditionell immer Kartoffelsalat mit Würstchen. Hier machte ich ein Feuer und mein Weihnachtsessen bestand aus einem frisch gegrilltes Steak mit einer Flasche Rose. Serviert auf einer „Graswiese“ am Felsenhang mit unverbaubaren Blick auf den River und einem wunderschönen Sonnenuntergang zum Dessert.

Es soll hier auch Black Rhinos geben, aber Tracks oder Spuren konnte ich bei meinem Abstecher nicht entdecken.
Dafür habe ich am Morgen, als ich von meinem letzten Camp aufgebrochen bin, direkt unten am Fluss frische Löwenspuren gefunden. Sie waren von gestern Abend oder heute in der Früh, aber den Löwen dazu konnte ich leider in dem dichten Gebüsch nicht finden.
Nach drei Tagen Camping unter freiem Himmel im Hoanib River bin ich zurück nach Palmwag gefahren, eine Lodge mit Campground, für zwei Nächte eingekehrt.
Ihr fragt euch sicherlich warum ich nicht länger bei den Elefanten geblieben bin, wenn sie so schwer zu finden sind.
Aber es gibt nun einmal eine Ressource auf die ich angewiesen bin, Diesel.
Außerdem gibt es hier Duschen, Toiletten, Strom den ich auch dringend für meine Akkus benötigte und einen Pool, das Leben kann so schön und einfach sein.
Frohe Weihnchten euch allen und ein gutes, neues Jahr!