Desert Spring – 29.01.2017

Aufrufe: 17

Bush – Telegraph

29.01.2017

The days of my journey


Hallo meine Lieben!

Nachtrag zu meiner „Mission: Impossible“:
Es war nicht nur meine Aufgabe Xi zu helfen, auch ich hatte noch zwei weitere Gründe nach Union’s End zu fahren.
Etwas weiter nördlich von hier, fand am 16. März 1908 das letzte Gefecht des Hottentotten Krieges, zwischen den deutschen Schutztruppen und den Nama statt.
Der deutsche Hauptmann von Erckert befehligte die Schutztruppen, die Nama wurden von Simon Kooper angeführt. Bei dem Gefecht starben 13 deutsche Soldaten, unter ihnen der Hauptmann von Erckert, und 58 Namas.
Das Gefechtsfeld, so wie die Gräber, wurden bis heute nicht wieder gefunden. Carsten Möhle macht alle paar Jahre eine Expedition in diesen Bereich der Kalahari, um das Gefechtsfeld, sowie das Grab von Hauptmann von Erckert wiederzufinden.

Ich wollte einmal die Landschaft sehen, wie es hier so aussieht, wie man es sich so vorstellen muss.
Der zweite Grund, früher hieß es immer, „bei dir sieht es aus, wie bei den Hottentotten“. Da ich nun einmal hier in der Nähe war, wollte ich die Gelegenheit unbedingt nutzen und mit eigenen Augen sehen, wie es bei den Hottentotten denn nun so aussieht.

Tja liebe Mutti, da hast du mir damals wohl nicht die Wahrheit gesagt. So wie bei den Hottentotten hat es in meinem Zimmer nie ausgesehen. Wieder ein Rätsel und eine quälenden Kindheitsfrage gelöst.

Bitterpan

Nun geht die Reise von Ranger und mir leider langsam dem Ende zu. Da wir so viele Abenteuer erfolgreich bestanden haben, lag nun noch die letzte Prüfung vor uns, eine Fahrt durch die echte Kalahari.

Und so gestaltete sie sich auch gleich nach dem Start, so stellt man sich die Kalahari vor, so sollte sie aussehen.

Keine Flusstäler, Blumenteppiche oder Graslandschaften, nein, roter Sand, Dünen, Gras, einige Büsche, vereinzelt ein Baum und schon kann Xi um die Ecke oder hinter dem nächsten Busch hervorkommen.

Das autonome Fahren ist auch in Südafrika verbreitet, allerdings mit vielen mehr Sicherheitsauflagen als in Botswana, was den Spaßfaktor wesentlich schmälert.
Es gibt das autonome Fahren nur auf Einbahnstraßen, aussteigen ist prinzipiell verboten. Der Spaßfaktor, was mach der Entgegenkommende wenn er merkt, das sitzt keiner am Steuer, oder der sportliche Faktor entfallen völlig.
Nein, jetzt einmal im Ernst. Wer schon einmal mit 4×4 in etwas tieferen Sand mit solchen Spuren gefahren ist, der weiß, Lenken ist hier unnötig, ja sogar schädlich für die Lenkung, ab und zu leicht etwas nachsteuern. Das reicht vollkommen aus, der 4×4 und die Spur halten das Auto auf dem Weg, wenn man nicht zu schnell fährt, was man hier nie tuen sollte. Also, keine neue Technik, kein Trick, keine Magie, einfache Physik.

Vier feste Zeltcamps für doch acht Leute, eine kleine Gemeinschaftsküche und das kleine Ranger Hause dahinter. Es gibt etwas Solar-Strom für die Beleuchtung, kein Internet, etwas untrinkbares Wasser zum Duschen und Kühlschränke die mit Gas laufen.

Die Festen Zelte sind nett hergerichtet, mit einem eigenen „Balkon“ und Zugang zu einem süßen, kleinen Garten mit Braai Platz, der durch einen Hightechschildkrötensicherheitszaun umgeben ist.

Jeweils ein eigenes Bad mit Dusche befindet sich hinter dem Zimmer und ist über den Mittelgang zu erreichen.
Das Ganze ist auf einem schwebenden Holzboden aufgebaut und wird überall von kleinen Gates und den niedlichen Zäunen gesichert. Der große Nachteil an dieser Konstruktion, jeder Schritt auf dem Holzboden macht sehr viel Krach.
Ansonsten fehlt nur der Pool, warum eigentlich? Bei dem vielen Salz könnten sie doch so eine Arte Sole Bad einrichten und würden sich gleich die Unmengen an Chlor sparen.
Von außen betrachtet gib es einem das Gefühl einer netten, kleinen Reihenhaussiedlung an irgendeinem Ortsrand von München wieder.
Das Beste war aber der Junge Kollege von San Parks, der hier für zwei Wochen alleine die Hütten und das Drumherum managt. „Gestern Nacht war ein Leopard hier!“ Ja, ja und wo genau? Wer hat ihn gesehen? Gesehen hat ihn keiner, aber die Fußspuren gingen gleich bei seiner Hütte entlang.
Ich liebe die Geschichten, der hier in einsamen Hitze lebenden, aber zum Thema Leopard habe ich mittlerweile meine eigene Geschichte.
Hier gibt es überhaupt keine Leoparden. Das ist allerdings ein Problem, denn viele Besucher wollen unbedingt einen sehen.
Also wird jeden Morgen, in jedem Camp, ein Wasserloch ausgelost, zu dem ein Mitarbeiter hinfahren muss. Mit einer Art Fahrradfelge, mit kleinen Leopardentapsen dran, setzt er dann neue Leopardenspuren in den Sand. Die Besucher kommen, finden die Spuren, suchen den ganzen Tag erfolglos den Leoparden, sind aber glücklich, denn die Spuren haben die ja gefunden.
So wird es wohl auch den jungen Kollegen hier ergangen sein, ein kleiner Streich seiner Kollegen aus Nossob.
An diesem Abend sind wir zu fünft in dem Camp. Ein etwas älteres Pärchen aus der Schweiz, nun kommen sie ja doch aus ihren Löchern, und ein etwas älteres Pärchen aus Südafrika.
Es war eine nette Runde, es wurde viel erzählt, aber auch früh zu Bett gegangen.