Desert Spring – 28.01.2017

Bush – Telegraph

28.01.2017

The days of my journey


„Mission: Impossible“

Vor genau 7 Stunden und 15 Tagen sind die Götter verrückt geworden.

Nicht „Die Götter müssen verrückt sein“, nein, sie sind definitiv verrückt geworden. Nun muss ich zu meiner ganz persönlichen „Mission: Impossible“ aufbrechen und versuchen, sie wieder zu beruhigen.
Jetzt, wo ich in der Kalahari bin, aber keine Glasflasche Coca-Cola aus einem Flugzeug geworfen wurde, muss nun ich dieses fünfte Element zum Ende der Welt bringen und es dort über den Abgrund werfen. Somit bekommen die Götter das fünfte Element wieder zurück, damit sie sich endlich besinnen können und der Frieden und das Glück wieder in die kleine Gemeinde von Xi einkehren kann.

Somit machen wir, Ranger und ich, uns wieder in aller Herrgottsfrüh, mit unserem eigenen Schlüssel für das Nord Gate, auf den Weg und lassen nur den Staub und die aufgehende Sonne hinter uns.
Zwar sind wir nicht zu Fuß, wie Xi, unterwegs, treffen auch keine anderen Leute, habe normale Sachen an, auch begleitet uns kein „Go Away“ Vogel, aber das ist nun einmal meine Mission und ich bin froh, dass Ranger mich so treu begleitet.
Wir kämpfen uns an jedem Wasserloch vorbei, nur keine Pausen, nur keine Verzögerungen, nur keine Ablenkungen. Der Weg zum Ende der Welt ist weit, steinig, unbekannt und voller Gefahren. Welche Abenteuer und Überraschungen uns erwarten werden, konnte oder wollte uns keiner sagen.
Auch die vielen grausamen und unwirtlichen Geschichten, die wir immer wieder gehört haben, können und nicht abschrecken. Wir wissen ja aus eigener Erfahrung, es sind nur Geschichten von gelangweilten Menschen in der Wüste.

Und somit „reiten“ wir mit der Sonne im Rücken, was uns eine wesentlich bessere Sicht auf die Gefahren vor uns gibt, dem Mut im Herzen, das Richtige zu tun, dem Wahnsinn in den Augen, vor dem, was wohl vor uns liegt, und dem Morgenkaffee in der Hose, da es hier keine Toiletten gibt.

Schon bald versuchen uns die Götter mit ersten Verwirrungen vom rechten Weg abzubringen, um uns an unserer Mission zu hindern.

Verwirrende Wegweiser, die sich nicht auf den Karten befinden, tauchen plötzlich vor uns auf.
Mit einer hinterhältigen Verführung der Sinne, dem „Sound of lions“, wollen sie uns verführen, verwirren und aufhalten. Für einen kurzen Augenblick haben sie Erfolg und wie von den betörenden Gesängen der Sirenen gefesselt, vergessen wir unsere Mission.

Aber der Zauber verblasst wie von Zauberhand schnell und nach wenigen Minuten der Verwirrung, konnten wir unseren Weg fortsetzen.

Erneut tauchten verwirrenden Richtungsanzeigen auf.
Die Konsistenz der Luft änderte sich langsam, aber ständig, es gab einem das Gefühl, sie würde dicker werden. Auch die Bäume, Büsche und das Gras waren keine festen Gegenstände mehr, sondern änderten ihre Formen, so langsam das es nicht gleich auffiel, aber doch noch so schnell, das man es aus dem Augenwinkel heraus erkennen konnte.
Es gab einem das Gefühl, ständig durch die Rotoren eines Flugzeugs zu schauen.

Aber Ranger und ich ließen uns nicht beirren, auch nicht von den Tieren, die wie im Kreis eines Zirkus herumliefen.

Die Landschaft verändert sich mehr und mehr, seltsame kleine Hügel wuchsen überall aus dem Boden.

Ständig wurden wir von den Vögeln des Todes beobachtet.

Andere Tiere waren hingegen seit geraumer Zeit nicht mehr zu sehen, obwohl das Gras und die Landschaft grün und fruchtbar aussahen.

Plötzlich waren wir da, das „Ende der Welt“. Aber nein, das hier ist nicht das wirkliche Ende, das ist ein Trugbild, wie fast alles hier. Eine Falle, um die Schwachen zum Aufgeben zu zwingen.
Weiter, wir mussten weiter, nicht täuschen lassen, nicht aufhalten lassen.
Nach einer unendlichen Zeitspanne, die keiner einschätzen konnte, da Zeit hier keine Rolle spielt, kamen wir zum Baum der Erkenntnis.

Ihr könnt das fünfte Element nicht einfach und schon gar nicht bei Tageslicht, einfach über den Rand der Erde werfen! Warnte er uns und hielt uns mit seinen uralten, starken und dicken Ästen auf.
Weder hatten wir den Baum vorher gesehen, noch hatten wir an diesem Tag über unsere Mission oder das fünfte Element gesprochen.
Woher so plötzlich kam der Baum, woher wusste er von meiner Mission, wieso wusste er von dem fünften Element und warum schreibe ich so einen Mist hier?
Mit sehr tiefer, Soprane Stimmer erklärte der Baum weiter:
Kein Mensch, kein Tier, ja kein Lebewesen kann zum Rand der Erde gehen, ohne von den Göttern hinuntergezogen zu werden. Nichts kann sich dem Sog der Götter entziehen, nicht einmal das Licht selber. Sehr ihr nicht die Veränderungen in der Luft, spürt ihr nicht die Andersartigkeit dieser Umgebung.
Legt das fünfte Element hier in meine starken Äste, ich werde nach Einbruch der Dunkelheit, bei dem heutigen Neumond den Göttern übergeben. Denn immer bei Neumond kommen sie vom Abgrund der Erde hinauf und schauen, was die Lebewesen in den letzten 28 Tagen angestellt haben.
Aber konnten wir dem Baum der Erkenntnis vertrauen? Wen konnte man auf dieser Welt, die so nach und nach aus den Fugen gerät, wo die Fehler der Matrix immer deutlich in Erscheinung treten, hier in Afrika, den rätselhaften und unheimlichen Kontinent, wen konnten wir noch vertrauen.
Wir hatten nur einen Trump, den wir ausspielen konnten. Wenn der Baum wirklich der Baum der Erkenntnis ist und er uns die Wahrheit gesagt hat, dann kann nur er den Namen desjenigen kennen, dessen Name niemals ausgesprochen werden darf.
Den Namen dessen, der die Götter persönlich kennt, der die Welt verändert, der die Sonne strahlender, die Tage länger, die Nächte kürzer, die Dunkelheit heller erscheinen lässt.
Ich sollte wohl tagsüber nicht so lange in der heißen Sonne im Auto am Wasserloch sitzen und schlafende Löwen beobachten.

Und somit übergaben wir dem Baum der Erkenntnis das fünfte Element, damit es wieder den Weg zu den Göttern hinunter von der Erde finden konnte und der Frieden und das Glück wieder bei Xi’s Familie einziehen kann.
Bis heute wissen wir nicht, was ihr Arzt oder Apotheker empfiehlt, wie empfehlen eine dringende Abkühlung im Pool und ein kaltes Getränk.
Auch wissen wir bis heute nicht, war es der Baum der Erkenntnis? Hat er das fünfte Element den Göttern übergeben? Haben die es mit über den Rand der Erde genommen? Warum haben wir die Flasche nicht einfach ausgesoffen?
Und nun meine kleinen Lieben, habt fein Acht, das Ende der Geschichte, nicht die Moral!

Wir, Ranger und ich, haben es wirklich geschafft, hier in der Kalahari an das Ende der Welt zu fahren, somit meine Mission erfolgreich beendet.
Alles was ich geplant hatte, wurde so in etwa umgesetzt, vieles wurde geändert, über den Haufen geworfen, neu überdacht und wieder verworfen. Aber auch das macht den Reiz einer solchen Reise aus, denke nur an Morgen, in der kommenden Nacht könnte dich der Löwe fressen.