Desert Spring – 17.01.2017

Bush – Telegraph

17.01.2017

The days of my journey


Hallo meine Lieben!

In dieser Nacht bin ich von sehr merkwürdigen Geräuschen, links neben meinem Zelt, aufgewacht. Ich konnte keinem Tier diese Geräusche zuordnen, noch unterscheiden, ob es sich um ein oder mehrere Tiere handelte. Sie kamen auch nicht näher, oder schlichen um das Zelt herum, nur die Geräusche waren einmal da, einmal nicht mehr da.

Die Tür vom Zelt war nicht geschlossen, nur das Moskitonetz trennt mich von der Außenwelt. Plötzlich tauchte ein Auto am gegenüberliegenden Hang auf und beleuchtete mit einem riesigen Scheinwerfer die Landschaft unter ihm, unteranderem ein Stück von meinem Zelt.
Ich wunderte mich sehr über den Wagen, frage mich, was er dort oben wolle, was er suche, konzentrierte mich aber wieder auf die Geräusche neben meinem Zelt.
So ging die Zeit langsam quälend dahin. Die Geräusche waren noch immer da, veränderten aber nicht ihre Position, genau wie das Auto, welches weiterhin mit dem großen Scheinwerfer einen Teil meines Zeltes erhellte.
Nach und nach kroch mein Bewusstsein aus der Schattenwelt des Schlafes näher an die Oberfläche und ich begann mich zu fragen, wo ich eigentlich bin? Noch in Nossob, schon in Motopi? Nein, nein du bist noch in Nossob, du bist noch nicht losgefahren. Dann können dort links neben deinem Zelt aber auch keine gefährlichen Tiere sein.
Mein Bewusstsein verdrängte nun die Schattenwelt vollkommen und als ich wieder zu dem Auto auf dem gegenüberliegenden Hügel schaute, ging hier der Mond langsam über den Bäumen auf.
Die merkwürdigen Geräusche links neben mein Zelt veränderten sich zu einer Schlafapnoe meiner Nachbarn und alles war wieder friedlich.
Die ganzen Sprüche, „hast du überhaupt Erfahrung im Tiefsandfahren?“, „auf 1.1 Bar musste ich die Luft ablassen“, „hast du ein Satellitentelefon dabei?“, haben mich wohl doch etwas nervös gemacht.
Am Morgen habe ich noch schnell ein letzten Game Drive gemacht, das muss sein. Anschließend alles einpacken, beide Tanks vom Ranger auffüllen und Luft aus den Reifen lassen. Anschließend verabschiedete ich mich bei den Kollegen von der Rezeption und meldete mich ab. Wenn ich am 23.01 hier nicht wieder auftauchen sollte, sollen sie doch bitte einmal nach mir suchen.
Die erste wirklich schwierige Stelle war gleich der Fluss, also der „Grenzübergang“ nach Botswana. Durch den vielen Regen war die Erde hier vollkommen aufgeweicht, matschig und sehr rutschig. Zudem kamen noch viele Schlaglöcher hinzu und an den vielen Fahrspuren sah man bereits die Versuche der anderen hierdurch zu kommen.
Nur nicht gleich am Anfang stecken bleiben, das ist wirklich peinlich! Aber es ging recht gut und nach dem Flussbett ging es gleich einige Dünen rauf und runter. Eine sehr gute Strecke, um für Offroadfahrten zu üben und gleich vom Start weg mit Anspruch. So dachte ich noch.

Die Landschaft war so, wie man sich die Kalahari aus dem TV vorstellt. Gelbes, trocknes Gras, einige Büsche und Bäume und der Sand. Nur das der hier mehr gelblich als rötlich ist, aber es gibt in der Kalahari bis zu fünf verschiedene Sorten Sand, also warum nicht.
So ging es einige Zeit weiter, die Dünen rauf und wieder runter, aufpassen auf der Kuppe, man weiß nicht was dahinter kommt.
Es gab zwei Stellen mit etwas mehr Sand, aber längst nicht so viel wie in Sesriem. So fuhr ich relativ langsam weiter, mich an den Untergrund gewöhnend und auf jede Schwierigkeit gefasst.
Der Start der Strecke war nicht ganz einfach, aber gut und ich hatte ja mittlerweile mit vielen gerechnet.
Aber was nun kam, brachte mich doch etwas aus dem Konzept.

Die Landschaft änderte sich plötzlich extrem. Der gelbe Sand wurde von rotem abgelöst, die gelben Gräser durch grüne, die Büsche und Bäume saßen voll mit Blättern und der Weg war durch unzähliger, gelber Blumen und vielen anderen kaum noch zu erkennen.
Auch der Sand war nun fest, es ging fast nur noch geradeaus, keine Dünenkämme mehr, ich konnte in den 4×2 sogar ausschalten und ganz easy durch die Landschaft gleiten.
Zwischendurch wurde die unendliche Blumenpracht durch sehr großzügige, hohe Grasebenen ergänzt

und ich wartet die ganze Zeit auf das Schild:
Aus dieser gefährlichen und so anspruchsvollen Strecke, auf der man unbedingt in Motopi übernachten muss, da man die gesamte Strecke nicht an einem Stück schaffen würde, wurde eine:
die man fast mit einem normalen PKW zum Sonntagsnachmittagskaffeeundkuchenausflug befahren konnte.

Warum erzählen die alle solche merkwürdigen Geschichten? Es sieht hier mehr so aus, als würde es zur Bundesgartenausstellung gehen als „in the middle of nothing“. Ich wäre froh, wenn manche Straßen in Deutschland so gut wären. Was machen die eigentlich bei wirklich schlechten, oder keinen Straßen, so wie in Namibia? It’s a little bit tricky!
Um 12:00 Uhr sind wir bereits bei Motopi 1 angekommen und wir habe uns wirklich viel Zeit gelassen. Sogar ein neues Top Gear haben wir noch erstellt und das nun als unsere erste große Premiere:
„Top Gear: Autonomes Fahren in Botswana“ – das Video!

Und jetzt? Was sollen wir hier so früh im „Nichts“?

Die ganze Zeit nur mit Klaus-Dieter abzuhängen, dazu hatten wir auch keine Lust. Bis zu Motopi 2 sind es nur 11 km, bis Mpayathutlwa keine 100 km mehr. Es noch ist noch genügend Zeit bis zum Sonnenuntergang, also fahren wir weiter. Sollte die Strecke so blieben, sind wir gegen 16:00 Uhr beim Campground.
Die Strecke blieb so, die Blumen wurden weniger, dafür das Gras mehr und höher. Von unserem Campground aus, mit Wetterdach, Wasserhahn, Braai und Plumsklo, haben wir einen Blick auf die Salzpfanne vor uns und
nach hinten in das hohe Gras. Hier kann sich zwei Meter von dir alles Verstecken und du siehst nichts, klasse!
Wir fahren noch etwas weiter, um uns einen Überblick von der Gegend zu verschaffen. Das Wasserloch für diese Pfanne ist ein gutes Stück entfernt, unser Nachbar nicht so weit. Es sind drei Minuten bis zu ihm, mit dem Auto, hier ist man wirklich allein, hier hört dich keiner schreien!

Hier im „Safari Park: Lüneburger Heide Nord“ gibt es keine Zäune um die Campgrounds, also suche ich die Umgebung einmal nach verdächtigen Fußabdrücken ab. Weder im Camp noch auf den Wegen Drumherum, die sehr gerne von den Tieren benutzt werden, waren Fußspuren von Raupieren zu sehen.
Somit baute ich mein Zelt auf und entzündete zum Sonnenuntergang mein Lagerfeuer.