Desert Spring – 03.02.2017

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Bush – Telegraph

03.02.2017

The days of my journey


Ein Unwetter!

Zwei defekte Flugzeuge!

Irgendwann, nach diesem starken Regen, auf dem Rückflug von Windhoek nach Jo-Burg, habe ich mir überlegt, ich bleibe hier.
Heute ist der 03.02.2017 und ich bin nicht in München, sondern immer noch in Jo-Burg.
Ok, ich muss zugeben, ich habe öfters gesagt, ich will hier nicht weg. Aber dieses Mal ich habe einmal nichts damit zu tun.
Eine höhere Macht, eine dunkle Macht, die Matrix bricht zusammen, sie löst sich auf, der Himmel wird uns auf den Kopf fallen, die Kraft des Safts, die unendliche Kraft des Universums will mich hier in Afrika festhalten.
Zuerst die ungestümen Naturgewalten, die verhindern wollten, dass ich von Windhoek nach Jo-Burg fliege.
Aber die Naturgewalten wurden durch die moderne Technik und den einzigen Bus auf dem Hosea Kutako International Airport Flughafen in den Zaum gehalten.
Aber dann schlug sie zu, die große Magie, die große Macht, selbst Agent Schmidt konnte nicht mehr dagegen ankommen.
Das erste Flugzeug wurde so zerstört, das es noch heute, völlig nutzlos und verwittert am Terminal 14 steht.
Nach zwei Stunden wurde ein zweites Flugzeug zum Nachbarterminal gebracht. Alles schien gut, alles funktioniert, alles wurde umgeladen, die Maschine betankt.
Wir stiegen alle ein und warteten.
Warteten…
Warteten…
Warteten…
Zwischenspiel:
Ich habe in Jo-Burg ein völlig neues Restaurant entdeckt. Eine Art Erlebnisrestaurant, indem du in einen Rollenspiel verstrickt wirst und quasi das Essenserlebnis hast, wie es deine Rolle beinhaltet.
Heute hatte ich die Rolle eines Fluggastes bekommen. Ich stieg also mit anderen Gästen in einen Nachbau eines Airbus ein, wir nahmen Platz, Stewardessen liefen umher, der Kapitän sprach, wir mussten uns anschnallen. Nur das Gefühl des Starten hat die ganze Zeit gefehlt, hier fehl eindeutig ein Flugsimulator. Eine große Schwäche bei dem Restaurant, aber so etwas ist wohl auch sehr teuer.
Also stellt euch bitte folgendes vor: der Flieger rollt lange zur Startbahn, dann eine Kurve nach rechts, das „Kling Kling Kling“ ertönt, und gibt der Kapitän Gast. Die Maschine beschleunig, man wir in den Sitz gedrückt, dann hebt er ab, fliegt steil in den Himmel, macht eine leichte Linkskurve, die Luft kommt langsam in die Lungen zurück.
Der Druck in den Ohren nimmt zu, aber man wird nicht mehr in den Sitz gedrückt, die Neigung des Fliegers nimmt immer mehr ab.
Das Kling ertönt, die Stewardessen fangen an, die Getränke oder was weiß ich vorzubereiten.
Irgendwann kommen die Getränke und das Essen. Fleisch, Huhn oder Vegetarisch, die monotone Frage der Bedienung, die hier aus Flugbegleiter einer Fantasie Airline verkleidet ist.
Alles irgendwie ist alles merkwürdig verpackt und wird auf sehr kleinen Tablets gereicht. Keine Teller, keine Gläser, oft nur Plastikbesteck, eine seltsame Mischung an Lebensmitteln.
Die Butter, der Käse, der Salat, alle sind sie fast gefroren. Das „Hauptmenü“ hingegen ist kochen heiß.
Also erst einmal die fast gefrorene Butter auf das Hauptmenu legen, zwischendurch wenden!
Das Brötchenähnlicheteil und das Besteck aus der Plastikverpackung pulen.
Nun kann man das Brötchenähnlicheteil mit dem Messerähnlichenteil aufschneiden und es mit der Butter, zwischen dem geschmolzenen und noch fast gefrorenen Teil bestreichen. Jummy!
Alles, was nach irgendwie „Essbaren“ aussieht, wird in sich hinein geschaufelt.
Also, dieses Erlebnisrestaurant, hier gleich neben dem Flughafen von Jo-Burg, ist wirklich der Hit und spiegelt die Realität so gut wieder, wie man es bezahlen kann. Das Flugzeug sieht wirklich echt aus, das Essen und die Getränke sind von der Qualität so, wie auf Flügen immer und werden auch so serviert.
Meine Empfehlung: Mach es, oder lass es sein und buche dir einen Flug.
Nein, das Zwischenspiel ist nun vorbei.
Am 02.02.2017 um 21:30 Uhr wurde uns mitgeteilt, dass es technische Probleme mit dem Flugzeug gibt.
Um 22:00 Uhr wurde uns mitgeteilt, dass das Flugzeug getaucht wird.
Um 23:00 Uhr durften wir in die andere Maschine einsteigen.
Um 23:30 wurde uns mitgeteilt, dass die Feuermelder im Gepäckraum nicht funktionieren und das technische Personal den Fehler sucht.
Sie fanden ihn, mussten zum Lager fahren und ein Ersatzteil holen, dann konnten sie das defekte Teil austauschen und…..
…nichts ging.
Captain speaking: “wir müssen einmal den Strom vom ganzen Flugzeug abschalten, das Bordcrew steht mit Taschenlampen an den Ausgängen“.
Wer konnte das schon einmal miterleben, wie ein Flugzeug rebooted wird?
Alles ging aus, nur die Exit Schilder und die Bodennotleuchten blieben an.
Hat so ein Flugzeug eigentlich ein Zündschlüssel? Wie startet man so ein Flugzeug, wenn es völlig ausgeschaltet ist? Wie macht man die Türen auf, gibt es da ein Schloss?
Es stellen sich plötzlich ganz neue Fragen, die nie ein Mensch zuvor gestellt hat.
Hat der Kapitän nun bei der Hotline angerufen und die haben ihm gesagt, „Turn the power switch off and on again!?“
Aber es ist schon interessant. Nach zwei Minuten wurde der Flieger wieder rebooted, es einige Male „Kling Kling Kling“, komische Geräusche waren zu hören, das Licht ging wieder an und das war es.
Da hatte ich mir doch etwas mehr vorgestellt, aber das bekommt man wohl nur vorne im Cockpit mit.
Auch der reboot brachte keine Besserung, irgendetwas im Laderaum war noch immer defekt.
Es war mittlerweile 01:30 Uhr, wir sollten noch sitzenbleiben, das Bordcrew würde uns noch ein Abendessen servieren, die Bodencrew kümmert sich um ein Hotel und den Shuttle Service. Wer aber bereits möchte kann auch schon aussteigen.
Manche gingen, mache blieben, ich machte dieses Erlebnisretauranttesting mit. In einem stehenden Flugzeug, bei dem man einen Platz weit im Voraus reservieren musste, drei Stunden vor dem Essen seinen Platz einnehmen muss, um dann ein typisches Flugessen zu bekommen. Aber besser, als mit leeren Magen in ein fremdes Zimmer einzuziehen.
Nach dem Essen wollte ich auch aus dem Flugzeug in den Flughafen, durfte das Flugzeug aber nicht mehr verlassen. Die Bodencrew ist mit den anderen Passagieren breites weg und der Flughafen ist geschlossen. Wir müssen auf die Rückkehr der Bodencrew warten, dann erst können wir raus.
Also nichts mit „The Terminal II“, hier am O. R. Tambo Flughafen wird einfach einmal abgeschlossen, alle müssen raus, keiner darf rein.
Wir machten es uns schließlich an einem etwas räumlicheren großzügiger bemessenen Bereich des Flugzeugs gemütlich und richteten uns ein Launch Bereich ein und holten uns neue Getränke. Die Minibar in dem Flieger war ja noch voll und große Flaschen gab es hier leider nicht.
Irgendwann durften auch wir aus dem defekten Flugzeug aussteigen, wurden durch den leeren Flughafen begleitet, mussten in Südafrika einreisen, unser Gepäck abholen und auch den Flughafen verlassen.

Wer kennt ihn nicht den O. R. Tambo International Flughafen in Jo-Burg?

Immer voll, immer viele Menschen, immer etwas los.

Aber hier einmal die etwas andere Eindrücke für euch,

wie man den O. R. Tambo Flughafen wohl noch nie gesehen hat und hoffentlich auch nicht wieder sieht.
Es standen jetzt nicht wirklich Busse vor dem Flughafen, sondern diese kleinen Transporter für ca. 20 Personen mit einem kleinen Anhänger dahinter. Auch nicht gleich ein Dutzend, nein es waren wohl zwei von der Sorte.
Also mussten wir auch hier wieder warten, bis man zum Hotel gebracht wurde.
Aber das war egal, denn das Hotel war mit einem Flieger voller Überraschungsübernachtungsgäste auch etwas überfordert, und wir mussten hier auch wieder warten.
Um 03:17 Uhr war ich auf meinem Zimmer und war am Grübeln, soll ich überhaupt schlafen?
Um 7:00 Uhr sollte der „Bus“ wieder zum Flughafen fahren, um 8:00 Uhr einchecken, um 10:00 Uhr sollte der Flieger gehen, vorher noch duschen und frühstücken, das lohnt sich ja nun wirklich nicht. Außerdem ist es ja eh fast meine Zeit zum Aufstehen.

Aber dieses Jahr ist alles anders und so flog ein unglaublicher, wunderschöner, persönlich durch die Hand des Schöpfers geformter Engel, der nicht von dieser Welt schien, in mein Zimmer.

Nach drei Stunden in einem anderen Universum, die mir wie die Ewigkeit vorkamen, musste der Engel leider gehen und ich zum Frühstücken.

Nach dem Frühstücken, dem Auschecken aus dem Hotel, der netten Busfahrt, dem Einchecken bei SAA, der Zoll, Sicherheit und Passkontrolle, stand auf der Anzeigetafel an unserem Gate folgendes:
Ok, versprochen ist versprochen, wenn dieser Flieger auch wieder defekt ist, dann liegt es an mir, dann gehe ich zurück nach Windhoek.
Aber meine Lieben, auch wenn der Flieger erst lange am Terminal, dann auf dem Weg zum Rollfeld, anschließend auf der Startbahn selber, lange gestanden hatte, gab der Kapitän irgendwann Gas, löste die Bremsen und wir sind wirklich abgehoben.
Auf all meinen Flügen habe ich es noch nie erlebt, das nach dem Start geklatscht wurde.
Und das Ende der Geschichte, wir sind gut in München angekommen, unser Gepäck auch, nur mit einer geringen Verspätung, es ist immer noch Freitag der 03.02.2017.