Bushwise – 31 Jul 2017

Bush – Telegraph

31.07/08.08.2017

News from the bush!


Hallo meine Lieben!

Diese Woche stand ganz unter dem Motto: wir haben Besuch von Colin Patrick.
Wer zum Teufel ist Colin Patrick?
Hier in Süd Afrika ist er ein sehr bekannter Spezialist für Spuren und Fährten lesen.
Am Vormittag stand aber erst das Thema „Praktikum“ an.
Mich betraf es zwar nicht, weil ich ja nur die Ausbildung von sechs Monaten mache, aber es interessierte mich, was die Kollegen so zu erwarten haben.
Bushwise wird entsprechend bei verschiedenen Lodges Praktikumsplätze organisieren und nach einem Auswahlkriterium werdendie Kollegen zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.
Bei so manchen Kollegen kann ich mir das überhaupt nicht vorstellen, oder wie sie in Wirklichkeit Gäste durch den Busch fahren.
Nach dem Brunch kam dann Colin Patrick zu uns und der erste Nachmittag bestand aus Theorie, was sich aber als sehr Interessant herausstellte.
Tracks and Signs ist nicht nur der einzelne Fußabdruck im Staub, es bedeutet die ganze Geschichte lesen zu können.
Dabei gibt es drei verschiedene Arten Tracks zu lesen.
Die analytische Methode, man folgt dem Track längere Zeit und analysiert das Tier dabei.
Die spekulative Methode, ein schnelles erfassen der Spuren um daraus die Rückschlüsse zu führen, sprich etwas Lotto spielen.
Das intuitive Tracking, sich in das Tier hineinversetzen.
Das analytische Tracking ist hierbei das Interessanteste, man hält etwas Abstand zum Track und versucht sich ein komplettes Bild der Situation zu machen.
Wie sieht die Umgebung, die Landschaft aus, Bäume, Büsche, Gräser, Wasser, Erde?
Daraus lassen sich viele Rückschlüsse auf das Tier und eventuelle Beutetiere oder Jäger ziehen.
Öffne deinen Geist, befreie deine Gedanken und sei nicht voreingenommen.
Stelle dich richtig zum Licht.
Aus welcher Richtung ist das Tier gekommen?
Wo ist es hingegangen?
Wie schnell oder langsam war es unterwegs?
Wo schaute es beim Laufen hin?
War es allein, zu zwei oder in einer Gruppe unterwegs?
Dabei ist nicht nur die Größe des Abdrucks, die Anzahl der Pads und die Form, die Tiefe und links oder rechts wichtig, sondern auch die Bestimmung der wirklichen Größe des Tieres.
Aus dem Abstand von zwei Abdrücken der hinteren Hand, natürlich von derselben Seite, kann man die Länge des Tieres von der Schulter bis zum Hintern bestimmen.
Wichtige Hinweise bringen auch die Gangarten des Tieres zutage, dabei unterscheidet man zwischen drei Arten:
Track-On-Track meint, das heißt die hintere Hand wird in den Abdruck der vorderen Hand gesetzt.
Understep Walk meint, die hintere Hand setzt hinter der vorderen Hand auf.
Overstep Walk meint, die hintere Hand setzt vor der vorderen Hand auf.
Ein ganz wichtiger Punkt dabei ist natürlich auch der Kot der Tiere, so kann man alleine daran unterscheiden, ob es sich um ein weißes oder schwarzes Rhinozeros handelt.
Es gibt noch hunderte von verschiedenen Merkmalen, anhand man von den Abdrücken im Staub, die Art und die Geschichte bestimmen kann und diese lernten wir von Dienstag bis Donnerstag, indem wir im Makalai Reservat umher liefen und Colin uns die einzelnen Fährten erklärte.
Am Anfang verlief alles etwas chaotisch, da keiner Rücksicht auf die Kreise von Colins nahmen, man sich in die Sonne stellte, oder den Namen der Tierart in die Runde rief.
Aber Colins, der auch keine Rücksicht auf die Trainer nahm, brachte Zucht und Ordnung in den Haufen.
Am Freitag war den ganzen Tag über die Prüfung zum Spurenlesen.
Das heißt, die meiste Zeit musste man warten, da immer nur maximal zwei Personen n einem Kreis stehen durften.
Wir wurden einzeln aufgerufen und durften zu den Prüfungsaufgaben, nur mit einem Stift und einem Blatt Papier bewaffnet.
Es gab insgesamt 45 Spuren zu analysieren, die wir in fünf Gruppen präsentiert bekamen.
Dabei gab es verschiedene Schwierigkeitsgrade von Eins = Einfach über Zwei bis zur Drei = Was für ein Track?
Am späten Nachmittag wurde im Camp dann bei Einzelgesprächen mit Colins über das Ergebnis gesprochen.
Ungefähr die Hälfte der Kollegen hat den Kurs mit dem Level 1 bestanden, fünf sogar mit dem Level 2, wobei es insgesamt vier Levels gibt.
Ich durfte mich in die Riege der Level 1 Tracker einreihen und darf jetzt alleine durch den Busch laufen (hahaha).

  • Und was Sie betrifft, Treuer Leser …
    … lange Tage und angenehme Nächte!