Bushwise – 29 Sep 2017

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Bush – Telegraph

KW.38 2017

News from the bush!


Hallo meine Lieben!

Darum liebe ich Afrika.
Kurz vor unsere Off Week haben wir noch schnell einen dicken Stapel Unterlagen bekommen.
All diese Unterlagen sind für die erste Woche im dritten Semester und beinhaltet alles, was wir für die Qualifizierung für den Schusswaffengebrauch lernen müssen.
Unser Kurs wurde in zwei Gruppen aufgeteilt, denn für den Waffen Kompetenztest mussten wir nach Tzaneen fahren und in unseren kleinen Bus passen nur 14 Personen rein.
Ich hatte das Los „Erste Gruppe“, also ging es für mich gleich am Montag und Dienstag nach Tzaneen zum Test.
Der Stapel Unterlagen war ein dickes Workbook und ein Begleitheft über den Umgang mit Waffen, das wir ausgefüllt mit zu dem Test nehmen mussten.
Das Workbook gliederte sich in drei Teile, gesetzliche Grundlagen, der Umgang mit Waffen – laden, schießen, reinigen, Sicherheit und einen Business Teil.
Die Antworten auf die Fragen in dem Workbook waren in dem Begleitheft zu finden, also war das Ausfüllen nur eine Fleißaufgabe, die aber sehr viel Zeit in der Off Week in Anspruch nahm.
Am Ende der Off Week erfuhren wir, auch der Business Teil muss ausfüllt sein, Danke!
Hier wiederholten sich zwar die Fragen aus den ersten zwei Teilen, sie waren nur etwas kürzer gefasst, aber meine Gruppe hat nun den ganzen Sonntag damit verbracht, auch diesen Teil auszufüllen.
Am Montag in der Früh ging es auf die 1,5 stündige Fahrt nach Tzaneen, die wir nutzten, um die letzten, noch offenen Fragen in dem Workbook auszufüllen.
Nachdem wir am Schießstand angekommen waren, eine ältere, ausgediente Schalterhalle an einem Abstellgleis, durften wir als erstes wieder viele Formulare ausfüllen und unterschreiben.
Der wichtigste Punkt hierbei, benutze nur einen schwarzen Kugelschreiber.
Unterschriften und persönliche Angaben werden farbig z.B. blau nicht akzeptiert.
Der „praktische Teil“ fand in Form einer DVD Vorführung, in der nochmals alle Punkte, gesetzliche Grundlagen, der Umgang mit Waffen – laden, schießen, reinigen und Sicherheit vorkamen, statt.
Der Fernseher war schon der Hit, ein alter Röhrenfernseher, aber das Video war ein Meisterwerk.
Ein nicht allzu sicher wirkenden Mann, in einer Art Home Video Produktion, stand vor einem Flipchart und trug mehr oder weniger flüssig alle Punkte aus dem Begleitheft vor.
Nach dem ausgedehnten, 1,5 stündigen „Video Abend“ bekamen wir zum Lunch einen Burger mit Pommes und wir machten es uns an einem schattigen Plätzchen am Abstellgleis bequem.
Ist es nicht ein jedermanns Traum, einmal in einem afrikanischen Provinznest, an einem Rangierbahnhof zu sitzen, kalte und lätscherte Pommes mit einem Burger zu essen?
So habe ich in Afrika auch noch nie erlebt, aber das hier ist ja auch kein Urlaub, sondern das „normale“ Leben.
Nach dem Lunch kam die große Überraschung, wir bekamen ein zweites Workbook, mit denselben Fragen, nur in einer anderen Ausführung und einer anderen Sortierung.
Unsere große Aufgabe bestand nun darin, unsere Antworten aus dem Ersten in das zweite Workbook zu übertragen.
Zu unserem Glück war das zweite Workbook nicht so umfangreich, hatte aber auch den Business Teil, womit sich nun unsere Arbeit vom Sonntag auszahlte, und nach zweieinhalb Stunden waren wir alle mit dem Übertragen der Antworten fertig.
So verging unser erster Tag beim Waffen Kompetenztest, wobei drei Leute mit den vielen Dingen, die wir heute zu tun hatten, beschäftig waren.
Eine Waffe gesehen, geschweige angefasst, haben wir nicht.
Für mich war es mehr ein Kompetenztest im Schreiben, als ein Kompetenztest für Schusswaffen, aber so ist halt Afrika.
Die 1,5 stündige Rückfahrt dehnte sich unfreiwillig auf eine 2,5 stündige Rückfahrt aus.
Auf halber Strecke, mitten im Nichts, auf eine Landstraße, wir alle waren in einen leichten Schlummerschlaf versunken, ein Knall, der Bus schlingerte etwas und wir hielten an.
Der linke Hinterreifen war geplatzt.

Nicht nur geplatzt, die gesamte Reifenwand war rundherum aufgerissen.
So standen wir und da …

… 13 Männer und betrachteten gemeinsam einen platten Reifen.

Irgendwann hatten wir auch das Problem gelöst …
… und den platten Reifen durch das Ersatzrad ausgetauscht.
Leider hatte das Ersatzrad zu wenig Luft, was hatten wir beim 4×4 Training gelernt? und somit mussten wir in Schleichfahrt bis zum nächsten Ort fahren, um an der Tankstelle den Reifen aufzupumpen.
Am zweiten Tag machten wir uns wieder auf nach Tzaneen und im Schießstand bekamen wir unsere beiden Workbooks zurück, wobei nur das von Stefano und meines Kontrolliert wurden waren.
Ja, so effektiv arbeitet man hier in Afrika.
Eine Gruppe, die schreiben eh alle dasselbe oder schreiben ab, also reicht eine stichpunktartige Kontrolle.

Wir mussten wieder etliche Formulare unterschreiben und anschließend bekamen wir nun ein wirkliches Gewehr zur Sicht.
Es gab eine allgemeine Einführung der Funktionen von 10 Minuten, anschließend durften wir das Gewehr auch einmal anfassen und halten, was für ein Erlebnis.
Nun ging es in den Schießstand, jeweils einzeln und wir mussten 2×10 Schuss auf zwei DIN A5 Blätter, auf 10 Meter Distanz, abfeuern.
Es war zwar ein Bullseyes auf der Mitte der Blätter aufgedruckt, aber es reichte aus, das Blatt an sich zu treffen.
In der Zwischenzeit machten wir es auf unserem romantischen Güterbahnhof im Schatten bequem und warteten auf unseren Slot.
Meine erste Runde war nicht schlecht, fünf Schuss musste ich mit den Ellenbogen auf dem Tisch abgestützt, fünf Schuss im Stehen abfeuern.
In der zweiten Runde konnte ich kaum etwas sehen …

… meine Augen werden auch nicht jünger …
… aber immerhin habe ich das Blatt getroffen und nur darauf kommt es an.
Der größte Teil des Tages bestand aus warten, zum Lunch gab es lätscherte Sandwiches und die Rückfahrt verlief ohne Probleme.
Nun aber bin ich berechtigt, ein Gewehr zu benutzen, wenn wir auf einen Game Drive gehen.
Der nächste Tag bestand für meine Gruppe aus zwei Game Drives …

… wobei uns am Morgen zwei Hyänen über den Weg liefen.

Was interessant ist, obwohl noch eine Hyäne am Wasserloch war …

… sind auch Zebras zum Trinken an das Wasserloch gekommen.
Entweder sehen sie eine Hyäne nicht als Gefahr an …

… oder sie spürten, dass die Hyäne keinen Hunger hatte.
Bei unserem Abend Drive gesellte sich ein Elefantenbulle zu unsere Kaffee Pause …

… was wir alle sehr begrüßten.
Es ist schon ein besonderes Erlebnis, wenn man außerhalb eines Autos, was einem doch immer eine scheinbare Sicherheit vermittelt, einem Elefanten gegenüber zu stehen und ihn zu beobachten.

Er fühlte sich durch unsere Anwesenheit auch nicht bedroht oder bedrängt, sondern war ganz entspannt und nahm sogar ein Schlammbad vor unseren Augen.

Was haben wir also diese Woche gelernt und gleichzeitig ein heißer Tipp für alle, die einmal etwas Offizielles in Süd Afrika machen wollen?
Nehmt immer schwarze Kugelschreiber mit nach Afrika, denn farbige Tinte wird nicht akzeptiert.

  • Und was Sie betrifft, Treuer Leser …
    … lange Tage und angenehme Nächte!